Die Fragestellung der Transpersonalen Psychologie:
Mit der Frage „Wer bin ich?“ begeben wir uns auf die Suche nach einem tieferen Verständnis unseres wahren Wesens.
Wir halten Ausschau und ergründen, ob es da noch etwas gibt, was uns bisher verborgen blieb. Wir erleben uns als Person und wissen dennoch nicht, ob das alles ist, was uns ausmacht. Obwohl wir in einem Körper leben, Gedanken und Gefühle wahrnehmen, so sind wir weder Körper noch Gedanken oder Gefühl. Doch wer ist dann dieses „Ich bin“? Wer nimmt wahr, was erlebt wird? Reicht es aus, dieses „Ich bin“ auf die Persönlichkeit zu beschränken?
Die Auffassung der Transpersonalen Psychologie führt über die Begrenzung der personalen Identifikation hinaus. Transpersonal bedeutet: das Persönliche überschreitend.
So wird das Wesen dessen, was wir sind, in seiner Ganzheit betrachtet. Dabei werden auch der Geist, lat. spiritus, und das Bewusstsein als Essenz des Lebens in der Bandbreite der psychologischen Arbeit mit einbezogen. Die Transpersonale Psychologie verbindet die auf wissenschaftliche Forschung und Methodik basierende moderne Psychotherapie mit den spirituellen Wegen und Weisheiten der ewigen Philosophie.
In der Philosophia perennis, lat. „immerwährende Philosophie“, finden sich Texte zahlreicher überlieferter westlicher und östlicher Weisheitslehren, weshalb diese auch als „philosophisches Weltkulturerbe der Menschheit“ bezeichnet wird. Weisheitsschulen und Mystiker aller Kulturen berichten von der Fähigkeit des Menschen, tiefere Schichten seines Bewusstseins zu erfahren. Der heutige Kenntnisstand aus Neurobiologie und Quantenphysik rundet das Bild der Erforschung des Lebens insofern ab, als dass es nunmehr undenkbar wäre, die Bedeutung von Geist und Bewusstsein außer Acht zu lassen.
Historisches
Der Begriff „transpersonales Unbewusstes“ tauchte bereits bei C.G. Jung in engl. Texten auf. Die Wurzeln der Transpersonalen Psychologie gehen u.a. auf Arbeiten von Viktor Frankl und Roberto Assagioli bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. Mitbegründer der modernen Form (seit Ende der 1960-er Jahre) sind u.a. Stanislav Grof und Abraham Maslow.
Die Heilweisen als Verbund biologischer, sozialer, psychologischer und spiritueller Aspekte führen grundsätzlich jedoch noch viel weiter zurück. Sowohl Schamanen Asiens, Afrikas und Amerikas als auch Priester und Mediziner in früheren Hochkulturen z.B. Ägyptens oder zur Zeit des christlichen Mittelalters haben die Heilkunde als eine das Weltliche übersteigende Dimension verstanden.
In der Zeit des 18. Jahrhunderts kam es im Zuge der Aufklärung zum Voranschreiten der Naturwissenschaften und der Ablösung vom theologisch geprägten Weltbild. Die medizinische Behandlung psychischer Leiden wurde auf eine rein naturwissenschaftliche Grundlage gestellt. Jegliche religiöse oder spirituelle Faktoren wurden abgespalten. Die Psychologie löste sich aus dem Verbund zur Philosophie und wurde im 19 . Jahrhundert mitunter als Forschung und Behandlung rein körperlich verursachter Nervenleiden weitergeführt. Nur wenige Wissenschaftler hatten den Mut weiterhin auch ihre spirituellen oder religiösen Ansichten einzubringen.
Entwicklung bis heute
Im Laufe der letzten Jahrzehnte zeigt sich erneut ein Wiederaufleben der naturheilkundlichen und spirituellen Ansätze. Diese etablieren sich zunächst als Alternativmedizin. Es gibt zahlreiche Angebote für Yoga- und Meditationskurse. Übungen der Achtsamkeit halten Einzug bei Heilbehandlungen, bei Erholung und Freizeitgestaltung, bei Coachings von Personen in Konfliktsituationen, wie auch zur Weiterbildung von Führungskräften im Management (z.B. Zen for Leadership).
Transpersonale Psychotherapie
In der Psychotherapie umfasst das Spektrum der Transpersonalen Psychologie einerseits die Behandlung und Heilung geistiger, psychischer und psychosomatischer Störungen, sowie andererseits die Unterstützung der Persönlichkeitsentfaltung über die reife Ich-Identität hinaus. Sie arbeitet dabei im Sinne der Geistes- und Humanwissenschaften und ist trotz der Einflüsse verschiedener Religionen und Weltanschauungen religionsunabhängig und damit über-konfessionell.
Psychosynthese
Ausgehend vom Ansatz des transpersonalen Menschenbildes entwickelte der Arzt und Psychiater Roberto Assagioli ( 1888 – 1974 ) die Psychosynthese als ganzheitliche therapeutische Methode zur Heilung personaler psychischer Leiden und zur Förderung der transpersonalen Selbst – Verwirklichung. Assagioli verfügte einerseits über ein weitreichendes Verständnis verschiedener psychologischer Schulen und konnte andererseits auf seine Studien der griechischen Philosophie und östlichen und westlichen Weisheitslehren zurückgreifen. Die Psychosynthese spiegelt daher das Zusammenspiel der psychologischen Wissenschaft und spiritueller Traditionen wieder.
Als Synthese ist der Prozess der Integration vereinzelter und zum Teil abgespaltener Persönlichkeits- bzw. Ich-Aspekte zu verstehen.
Auf der personalen Ebene werden traumatisierende Erfahrungen und emotionale Blockierungen gelöst. Auf der transpersonalen Ebene aktiviert die Psychosynthese Potentiale der Intuition und Inspiration und weitet den Horizont des erfahrbaren Bewusstseins.
Die Elemente der therapeutischen Verfahren sind vielfältig. Auf liebevolle und kreative Weise wird der innere Beobachter geschult. Lösungsorientierte Interventionen helfen neue Wege zur Heilung und Persönlichkeitsentfaltung zu erschließen. Achtsame Selbsterfahrung führt zu innerer Klarheit und Ausgeglichenheit, fördert den verantwortungsbewussten Umgang des freien Willens und trägt maßgeblich zur authentischen Selbstwerdung bei.
Folgende Verfahren werden u.a. eingesetzt: Imagination, wie z.B. katathymes Bilderleben und geführte MeditationÜbung der Achtsamkeitgegenstandslose Meditation / KontemplationAufstellungsarbeitfreies Malen
Die Psychosynthese spricht zumeist Menschen an, die sich grundsätzlich in einer psychisch gesunden Verfassung befinden, jedoch aufgrund von Lebenskrisen oder einem Gefühl der seelischen Leere auf der Suche nach einer neuen Lebensqualität sind, die zu mehr Liebe, Freude, Geborgenheit und einem tieferen Sinn im Leben führt.